Baukulturgemeinde-Preis für Lustenau 

Vergangene Woche wurde in Wien der Baukulturgemeinde-Preis 2016 vergeben –Lustenau wurde mit einem der begehrten Preise ausgezeichnet.

 

Das hat bei einigen Beobachter_innen Verwunderung ausgelöst und bei mir sind dementsprechende Zuschriften per Mail eingetrudelt. Nicht vergessen sind die Zeilen von Architekt Roderic Hönig in der renommierten Architekturzeitung Hochpaterre. Hönig meinte hier: Mut zur Architektur, spannende Holzkonstruktionen, aber auch gesichtslose Ansammlungen von Häusern fallen bei einer Reise durchs Voralberger Niemandsland auf. Ein typischer Ort dieser Gegend ist Lustenau: Wer mit dem Zug dorthin fährt, muss an einem Güterbahnhof auf den Bus umsteigen und über eine Viertelstunde durch einen Häuserverbund kurven, dessen Name trügt. Lustenau ist nicht lustig „

 

Der Masterplan überzeugt
Ja, die Auszeichnung ist für manche wohl etwas überraschend gekommen. Für mich nicht! Denn die Qualität der eingereichten Projekte überzeugen. Architektin Marina Hämmerle, das Mastermind hinter dem Masterprojekt Zentrum, hat eine ausgezeichnete Leistung erbracht und in unzähligen Stunden das scheinbar Unmögliche möglich gemacht. Sie hat in eine gewachsene Häuseransammlung eine Struktur gebracht, die Schritt für Schritt sein Zentrum findet und Orte des Verweilens, des Austausches und des Handels hervorbringen kann.

 

Die Ergebnisse des Masterplans wurden 2014 präsentiert. Zwei Jahre sind vergangen, einige zarte Pflänzchen sind gewachsen, manche sind bisher weniger geglückt, weniger angenommen worden – andere sehr wohl.


Der große Aufbruch hat aber bisher noch nicht stattgefunden. Die zentrale Achse, die Lustenau als Ort verbinden soll, ist bisher nicht gestärkt und auch am Kirchplatz, als der zentrale Ort der Gemeinde, ist kaum eine Veränderung spürbar.

 

Baukulturpreis als Ansporn

Da kommt der Baukulturpreis gerade gelegen. Ein Preis als Anerkennung für das bisher Geleistete und gleichermaßen als Ansporn für den Weg der noch vor uns liegt. Ansporn an uns Bürger_innen und auch an die Politik – Ansporn dafür sich nicht auf dem bisher Erreichten auszuruhen, sondern nächste, wirksame Schritte zu setzen.

Erfreuliche Signale sind die Renovierung eines im Gemeindeeigentum befindlichen Altbaus und die Aufwertung des zentral gelegenen Schulplatzes. Das sind weiterer Schritte in die richtige Richtung – aber der Weg wird noch lange sein. Es braucht endlich auch mutige Entscheidungen, die nicht von heute auf morgen von allen mit Applaus aufgenommen werden. Es ist eben nicht immer alles lustig in Lustenau. Aber auch das braucht es – auf dem Weg zum Zentrum.

 

Die Sache mit dem Donut und dem Krapfen

Was nicht übersehen werden darf ist was der Vorsitzende des verleihenden Vereins im "derStandard"-Interview preisgibt: "der Donut-Effekt (Anm.: die Ansiedelungen von großen Geschäften am Ortsrand und die Aushöhlung des innerörtlichen Zentrums) macht die Gemeinden kaputt. Er zieht den Orten ihren Boden und ihre Identität weg, und er macht sie für die kommenden Generationen fad und unattraktiv. Es ist dringend an der Zeit, aus den Donuts wieder Krapfen zu machen. So richtig fette Omakrapfen mit sauguter Marillenmarmelade im Zentrum."


Das sollten wir uns im Hinterkopf behalten! 


 

 

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