Morgendämmerung im Reich des schlafenden Riesen

Die Bezeichnung des Bundespräsidenten als schlafender Riese (Copyright: Manfried Welan) wird derzeit häufig verwendet. Und das aus gutem Grund!  Erleben wir derzeit die Morgendämmerung im Reich des Riesen?

Hier lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Am 7.Dezember 1929 wurden unter dem Titel „zweite Bundesverfassungs-Novelle“ weitreichende Kompetenzverschiebungen zugunsten des BPräs. vorgenommen. Diese Schwächung des Parlaments entstanden inmitten einer antidemokratischen Grundstimmung. Viele, darunter vor allem die Christlichsozialen, träumten von einer starken Führungspersönlichkeit und nahmen Anleihen im Ausland z.B. an der Weimarer Verfassung. So kam es also, dass der Österreichische Bundespräsident, neben einer Reihe von weiteren Kompetenzen, fortan die Bundesregierung ernennt (davor direkt vom Volk gewählt) und den Oberbefehl über das Bundesheer hat.

In Deutschland setzte man sich retrospektiv mit dem Einfluss der Weimarer Verfassung auf das Scheitern der Republik auseinander und ließ die gewonnenen Erkenntnisse einfließen. Darunter auch die Neujustierung der Rolle und Kompetenzen des Staatspräsidenten. Und in Österreich? Richtig, da gab es eine „österreichische Lösung“. Der Bundespräsident hat zwar immer noch die zusätzlichen Kompetenzen, die ihm durch die Verfassung von 1929 gegeben wurden, er verzichtet aber freiwillig darauf. Weithin als Rollenverzicht bekannt. Er kann, er darf, tut aber (noch) nicht.

Die öffentliche Aussage von FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer „Und sie werden sich noch wundern, was alles gehen wird!“ bekommt damit ein ganz anderes Gewicht. Was würde wohl Hans Kelsen, der maßgebliche Architekt der Verfassung von 1920, dazu sagen?

Doch damit nicht genug, kokettieren Hofers Strategen doch mittlerweile ganz offen mit der Macht des Bundespräsidenten. Es geht soweit, dass auf der neuen Plakatwelle von „einem neuen Amtsverständnis“ gesprochen wird und Hofer schon als Bundespräsident tituliert wird. Übrigens ein klarer Verstoß gegen Artikel 61 B-VG. Hier ist eindeutig normiert, dass der Titel „Bundespräsident“ von niemandem anderen als dem amtierenden Bundespräsidenten geführt werden darf.

Ein vernachlässigbares Hopsala im Wahlkampf? Nein, sicher nicht. Das Beraterteam rund um Hofer ist u.a. mit Top-Juristen besetzt und als Mastermind vermute ich niemanden Geringeren als O.Univ.Prof. Dr.jur. Mag.rer.soc.oec. Wilhelm Brauneder. Für diejenigen denen der Name Brauender  noch nicht geläufig ist: er ist ehem. Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakulät in Wien, ehem. Dritter Nationalratspräsident, Experte für Österreichische Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte und aus meiner Zeit am Juridicum in Wien kann ich mich noch sehr lebhaft an den Ruf erinnern, der im vorauseilte. Menschen mit dunkler Hautfarbe oder ausländischem Nachnamen können sich einen anderen mündlichen Prüfer aussuchen, Frauen seien arm dran und die NS-Zeit dürfe er als Professor in der Vorlesung gar nicht behandeln, so einige der Mythen, die sich um Herrn Prof. Brauneder rankten.

Es ist nicht weit hergeholt, wenn man Brauneder mit dem bewussten Spiel mit der autoritären Macht des Bundespräsidenten in Verbindung bringt. Der Plan für die Veränderung der Republik dürfte so aussehen: der Kandidat Hofer gibt sich als der brave Schwiegersohn von nebenan, aufmunitioniert mit einem perfekten NLP-Sprech. In der Zwischenzeit arbeiten im Hintergrund die deutschnationalen Burschenschafter zu. Ziel ist, den liberal gebrandeten Hofer in die Hofburg zu bekommen und dann bei der möglichst rasch abzuhaltenden Nationalratswahl einen fulminanten Sieg von HC-Strache zu ermöglichen. Mit Hofer im Bundespräsidentenamt, der siegreichen FPÖ im Parlament und womöglich auch im Bundeskanzleramt, könnte man die Republik Schritt für Schritt nach den eigenen Vorstellungen umbauen. Dabei werden wohl auch geschickt direkt-demokratische Optionen zur Erzielung der eigenen Zwecke missbraucht werden. Das Boulevard wird seine Aufgaben übernehmen und kräftig applaudieren.

Versucht hat man dies bereits in den 90er Jahren unter Jörg Haider – damals nannte sich das Vorhaben „Dritte Republik“. Und siehe da: Prof. Brauender war Mitautor der Broschüre "Weil das Land sich ändern muss! Auf dem Weg in die Dritte Republik".  Nicht umsonst nannte der damalige SPÖ-Klubobmann Peter Kostelka Brauender damals als den "Chefideologen der Dritten Republik".

Dass Hofer mehr Macht in Anspruch nehmen wird, hat er bereits mehrfach offen thematisiert. Er werde die Regierung (nach Abmahnung) rauswerfen, er werde Staatsverträge, die ihm nicht passen nicht unterzeichnen, sondern das Volk direkt befragen und er werde beim EU-Rat mitfahren. Letzteres ist insofern beachtlich, da hier einmal mehr klar wird, dass Hofer Europa ausschließlich als Arena der nationalen Interessenskonflikte betrachtet. Und auch hier scheint die autoritäre Ausrichtung erneut durch, unterliegt der Kanzler, der bisher Österreich beim EU-Rat vertritt, der parlamentarischen Kontrolle, so tut dies der Bundespräsident nicht.

Aber Sie werden sich noch wundern, was alles gehen wir! Schauen Sie nach Ungarn und Polen, da zeigt sich wie schnell Systeme ins Wanken geraten. NICHT LUSTIG!

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Kommentare: 19
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