MEHR BIO UND REGIONAL IN GROSSKÜCHEN

Christine Bösch-Vetter, Daniel Zadra 29.10.2016 - Wachstums-Mantra der Landwirtschaft hat ausgedient

"Das Wachstums-Mantra der Landwirtschaft nach dem Motto ‚Intensivieren, Technisieren, Standardisieren’ hat ausgedient. Wir brauchen einen radikalen Wandel hin zu einer fairen, regionalen und zukunftsfähigen Landwirtschaft“, fordert der Grüne Landwirtschaftssprecher Daniel Zadra im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der er gemeinsam mit der Grünen Lustenauer Gemeinderätin Christine Bösch-Vetter darlegte, was zu tun ist, um mehr regionale und biologische Lebensmittel in Großküchen einzusetzen

„Globalisierte Exportmärkte sind nicht die Zukunft der Landwirtschaft Vorarlbergs. Es ist Zeit für eine neue große Erzählung der heimischen Landwirtschaft“, ergänzt Bösch-Vetter. Grüne Landwirtschaftspolitik wolle Menschen gesunde Lebensmittel gewähren, gute Arbeitsplätze vor allem auch in ländlichen Regionen erhalten, Bäuerinnen und Bauern genügend Einkommen sichern und Tieren ein gutes Leben ermöglichen. „Kein Bauer will von Förderungen alleine leben. Es braucht gute Erträge“, so Bösch-Vetter. 

Dass der Weg der industrialisierten Landwirtschaft nicht zukunftsfähig ist, sei allerorts sichtbar. „Viele Bauernhöfe haben den Strukturwandel nicht überlebt. Wir haben außerdem massive tierschutzrechtliche Probleme und immer mehr Giftmittel- und Antibiotikaeinsatz“, so Zadra. Die Folgekosten davon hätten wir alle zu tragen. „In einer stichprobenartigen Untersuchung in Deutschland wurden in allen Muttermilch-Proben Rückstände des Giftstoffes Glyphosat nachgewiesen“, gibt Zadra zu bedenken.

Zadra und Bösch-Vetter fordern, mit herkömmlichen Strukturen zu brechen und Neues zu ermöglichen. Mit der Ökolandstrategie 2020 und zahlreichen positiven Ansätzen im schwarz-grünen Regierungsübereinkommen sowie der kürzlich präsentierten 7-Punkte-Strategie für mehr regionales Essen in Krankenhäusern sei Vorarlberg gut aufgestellt. Nun müssen weitere Schritte folgen. „Die Landhaus- Kantine muss zur Vorbild-Schauküche mit biologischen und regionalen Lebensmitteln werden“, so Zadra. Auch die Gemeinden seien in ihre Pflicht zu nehmen und könnten auf die von ihnen betriebenen Küchen von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, SeniorInnenheimen, Kinderbetreuungseinrichtungen oder Schulen Einfluss geltend machen.

Dass ein Umdenken möglich ist, zeigen zahlreiche Beispiele. „In Hard ist es unserer Kollegin Eva Hammerer gelungen, dass die BewohnerInnen des SeniorInnenhauses sowie Kinder in der Betreuungseinrichtung künftig überwiegend frische Bio-Produkte aus der Region erhalten. Und auch in Lustenau hat die Generalversammlung unsere Anregung für mehr regionale Kost in der Zentralküche wohlwollend aufgenommen“, berichtet Bösch-Vetter, die auf die mobile Fahrradküche als innovative Idee für die Versorgung mit mehr regionalen und biologischen Lebensmitteln verweist. „Dieses Leuchtturmprojekt der Vorarlberger Innovationskraft zeigt, wie aus frisch geernteten Gemüsesorten eine saisonale Suppe hergestellt und ortsunabhängig eingesetzt werden kann. Lasst uns diese Kreativität nutzen und scheinbar Unmögliches möglich machen – auch in der Landwirtschaft“, schließt Zadra.